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Klimanotstand abgesagt: IPCC zieht eigenes Worst-Case-Szenario (RCP 8.5) zurück

  • Autorenbild: Marko Thomas Scholz
    Marko Thomas Scholz
  • vor 5 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Das sog. »Doomsday«-Szenario, es prognostizierte eine Erwärmung auf rund 4–5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau, ist falsch und wurde nun offiziell aufgegeben.

Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), von der Presse oft auch als »Weltklimarat« bezeichnet, stützt sich bei seinen Prognosen auf Berechnungen. Am 7. April 2026 veröffentlichte ein eigens dafür zuständiges Fachgremium sein neues Rahmenwerk für die nächste IPCC-Berichtsrunde (AR7) in der Fachzeitschrift Geoscientific Model Development. Federführender Erstautor ist Detlef P. van Vuuren von der Universität Utrecht und der niederländischen Umweltbehörde PBL, ein Wissenschaftler, der selbst an früheren Szenarienrunden maßgeblich beteiligt war. Die Publikation trägt den nüchternen Titel: »The Scenario Model Intercomparison Project for CMIP7 (ScenarioMIP-CMIP7)« und steht unten im Original zum Download zur Verfügung. Diese Publikation ist eine Bombe mit ungeheurer Sprengkraft. Warum? Die IPCC-Klimaexperten nehmen darin―wohlgemerkt mangels Plausibilität―, endlich Abstand von ihrem eigenen Worst-Case-Szenario. Konkret verschwinden damit die Szenarien RCP 8.5, sein Nachfolger SSP5-8.5 sowie das ebenfalls extreme Szenario SSP3-7.0 aus dem Kernkanon der künftigen Klimamodellierung.


Das Szenario RCP 8.5 war indes kein Randphänomen der Klimaforschung, es war über mehr als ein Jahrzehnt lang das meistgenutzte Szenario überhaupt. Allein über 45.000 wissenschaftliche Fachartikel wurden damit berechnet. Nationale Klimaberichte in den USA, Deutschland, Großbritannien, Kanada, Australien, Japan und den Niederlanden stützten sich auf RCP 8.5. Das Weltbank-Klimaportal verwendete es als Standard für Länderberichte in über 100 Staaten. Das Netzwerk der Zentralbanken zur Begründung des Finanzsystems (NGFS), dem über 140 Zentralbanken angehören, nutzte ein darauf aufbauendes „Heißes Haus"-Szenario für Stresstests der Europäischen Zentralbank, der Bank of England und der US-Notenbank Fed. Dieses gesamte Geflecht aus Forschung, Berichterstattung und Politik baute auf einem einzigen Szenario auf, das nun endgültig für unplausibel erklärt wurde.


Bemerkenswert ist außerdem: Bereits im IPCC-Sachstandsbericht AR6 (2021–2023) hatte das Gremium vorsichtig eingeräumt, dass die oben genannten Extremszenarien »weniger wahrscheinlich geworden« seien. Dennoch wurden sie aus Gründen der Kontinuität weiterhin verwendet. Der Bruch, den das neue ScenarioMIP-Papier nun vollzieht, ist damit nicht überraschend, aber er ist deutlich und offiziell. Was diese Publikation so bemerkenswert macht, ist weniger der technische Inhalt als das, was er symbolisiert: Wissenschaftler, die selbst die Rechenbasis für den wichtigsten Klimabericht der Welt liefern, erklären öffentlich, dass ein zentrales Berechnungsszenario, das jahrelang die globale Klimadebatte geprägt hat, nicht mehr länger haltbar ist.




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